Briefmarkenumtausch: Das solltest du beachten!
Wer noch ungebrauchte DM-Briefmarken hat, steht nun vor der
Frage, welche seiner Schätze er umtauschen soll. Die
Deutsche Post AG bietet den kostenlosen Umtausch von
Pfennig- in Centmarken an.
Andere Länder sind weniger großzügig. In
Portugal werden die Marken einfach so ungültig, eine
Umtauschmöglichkeit gibt es nicht. Und in Österreich
muss man inzwischen 10 EUR Gebühren bezahlen. Anders
Frankreich: Die Franc-Marken bleiben gültig. Und das sind
eine ganze Menge: Außer den Marken mit Abbildungen des
Marschalls Pétain, der während des zweiten
Weltkrieges mit den Deutschen gemeinsame Sache machte, sind seit
Nr. 1 noch alle Marken gültig. Um das ganze noch
komplizierter zu machen, gibt es noch Marken in alten und neuen
Franc.
Zurück nach Deutschland und zu den Umtauschkonditionen
der Deutschen Post AG:
- Briefmarken im Gesamtwert bis zu 50 DM können
bei jeder Postfiliale umgetauscht werden.
- Formulare gibt es in den vielen Filialen und auf der
Web-Site der Deutschen Post AG unter
www.deutschepost.de.
- Auf dem Formular klebt man die Marken in aufsteigenden
Werten auf. Zuschläge werden natürlich nicht
berücksichtigt.
- Man kann ohne Weiteres mehrfach zur Post gehen und jedes
mal 50 DM umtauschen. Ob man das auch auf einen Schlag
mit mehreren 50-DM-Formularen tun kann, ist zur Zeit noch
strittig.
- Umgetauscht wird offiziell nur in Dauermarken. Inoffiziell
gibt es aber auch Sondermarken, aber hier ist man auf das
Entgegenkommen der Mitarbeiter angewiesen.
- Ganzsachen werden ebenfalls zum reinen Nominalwert
zurückgenommen. Nicht ausschneiden, sondern lose zum
Antrag dazu legen!
- Beim Umtausch sollte man einen Personalausweis dabei
haben, da stichprobenartig und bei Verdacht die Identität
des Umtauschers festgestellt wird.
- Wer deutlich mehr als 50 DM umtauschen will, der kann
sich auch an die Umtauschzentrale in Frankfurt wenden.
Hierfür gibt es ein gesondertes Formular. Das Porto
für die Hinsendung muss man aber selbst tragen. Und was
den Umtausch gegen Sondermarken angeht dürfte es dort
schwieriger sein als bei der Filiale vor Ort.
- Der Umtausch ist zunächst auf ein Jahr
befristet.
Nun aber zu der Gretchenfrage: "Was soll ich umtauschen, was
behalten?" Eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es
natürlich nicht, denn wie bei der Frage, welche Marken man
stempeln lassen sollte, müsste man hellseherische
Kräfte haben, um zu wissen, was kommen wird.
Folgende Gesichtspunkte sprechen gegen den
Umtausch:
- Zu Jahresanfang werden einige Posttarife gesenkt,
darunter wohl auch der für Standardbriefe. Daher sollte
man zunächst nur den Bedarf bis Jahresende decken und mit
dem Rest noch warten.
- Eckrandstücke und Stücke mit
Bogenrandvermerken aus der Zeit vor den Zehnerbögen
(1994) oder Marken Besonderheiten wie diese Rollenmarke könnten gutes Tauschmaterial werden.
- Es hat wenig Sinn eine komplette postfrische Sammlung
umzutauschen, wenn man sich nicht eh schon länger von
dieser Sammlung trennen wollte. Dies gilt auch für
Teilbereiche, z. B. "Bund 1980-1990".
- Marken, die schon jetzt einen recht hohen Aufschlag
gegenüber dem Nominalwert haben (mehr als vier- bis
fünffacher Katalogwert) könnten interessant
bleiben - zum Beispiel die abgebildete Dauermarke mit dem Brandenburger Tor.
- Der Frust über die modernen "Bund"-Marken ist
hoch, die Marken der letzten Jahre haben sich preislich
schlecht entwickelt. Wenn jetzt viele Dubletten umgetauscht
werden, reicht vielleicht eine kleine Nachfragesteigerung, um
die Preise steigen zulassen.
- Marken mit interessanten Motiven könnten sich
auch entgegen eines eventuellen Abwärtstrends
herausputzen. Beispiel die abgebildete 60-Pf-Marke der Jugendmarken
1988. Obwohl sie die höchste Auflage des Satzes hat und
bei der Post die zweitbilligste Marke des Satzes war, ist sie
jetzt doe teuerste Marke des Satzes. Der Grund: Sie zeigt
Elvis Presley...
- Dass bei Berlin inzwischen einige Marken gestempelt
teurer sind als postfrisch, ist eine Berliner Besonderheit.
Auf die meisten Bund-Marken wird dies nicht zutreffen.
Folgende
Gesichtspunkte sprechen für den Umtausch:
- Marken mit nicht völlig tadellosem Gummi kann man
getrost umtauschen. Schon kleine Fingerabdrücke bringen
ungültige Marken rasch an den Rand der
Wertlosigkeit.
- Marken mit Zahnfehlern (auch kleinen) sollte man
ebenfalls umtauschen.
- Die Marken haben kein sicheres Netz mehr. Bisher
konnten sie nicht wesentlich unter den Nominalwert fallen, da
sie ja immer noch als Frankatur aufgebraucht werden konnten.
Diese Möglichkeit entfällt mit Ende der
Umtauschzeit.
- Die Beispiele Berlin und DDR zeigt, dass postfrische
Marken schon sehr bald nur unter Postpreis zu haben waren und
sich auch im Tausch nicht gut absetzen ließen.
- Ganzsachen werden von den meisten Sammlern eher
gestempelt gesucht als postfrisch.
- Die im Umtausch erhaltenen Euro-Marken kann man
einfach an Freunde und Verwandte verkaufen. Für
ungültigen Marken muss man erstmal einen Sammler
finden...
Wichtig ist, dass keiner
weiß, was kommen wird, natürlich auch wir nicht. Es
hängt alles davon ab, wie viele Marken die Sammler und
Händler umtauschen werden. Ganz entscheidend ist, dass
die künftige Preisentwicklung ganz wesentlich davon
abhängt, ob neue Sammler für das Sammelgebiet "Bund
postfrisch" gewonnen werden können, denn nur dann
könnte die zusätzliche Nachfrage die Preise zum
Steigen bringen.
Dieser Artikel stammmt aus der Zeitschrift "Post für Dich" unserer Gruppe Stadt Berlin.
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