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deutsche Automatenmarken

20 Jahre Automatenmarken in Deutschland:

Die wichtigsten Unterschiede

1981 wurden in der Bundesrepublik erstmalig Automaten aufgestellt, die nicht nur eine einzige Sorte Marken ausgeben konnten, sondern viele verschiedene. Das ist sehr praktisch für den Kunden. Damit nun nicht mehrere verschiedene Marken im Automaten gelagert werden müssen, wurde einfach eine Marke gedruckt, deren Wert erst beim Kauf eingedruckt wurde.

Solche Marken nennen die Briefmarkensammler Automatenmarken (ATM). Es gibt Sammler, die sich auf ATM spezialisiert haben und ausschließlich diese Marken sammeln. Und bei den ATM kann man tatsächlich noch "Alle Welt" sammeln. Allerdings sprengen etliche Ausgaben das Budget der meisten Sammler. Im MICHEL-Katalog sind diese Marken hinter den Zusammenfassungen der Dauerserien zu finden.

Typisch für die deutschen ATM sind die beiden halbkreisförmigen Löcher am Ober- und Unterrand. Sie sind keine Zähnungslöcher sondern Transportlöcher, mit denen das Papier genau bis zur nächsten Marke transportiert werden soll.

Der Anfang: Die grüne MiNr. 1

Bund ATM MiNr 1Den Anfang machte in Deutschland das "grüne" Vordruckpapier. Der MICHEL katalogisiert die Marken mit diesem Papier unter der MiNr. 1. Zunächst konnte man sie nur in 14 fest einprogrammierten Wertstufen zwischen 10 und 230 Pf bekommen.

Als dann die so genannten Schalterdrucker aufgestellt wurden, die jeden beliebigen durch 5 teilbaren Wert zwischen 5 Pf und 9995 Pf ausdrucken konnten, war klar, dass man diese 1999 (!) verschiedenen Marken im Gesamtwert von 99.950 DM weder sammeln kann noch will. Die Sammler gingen daher dazu über, einige exemplarische Wertstufen zu belegen. Manchem Sammler reichte auch eine einzige Marke. Später konnte man auch an Automaten alle beliebigen Werte "ziehen", man musste aber passend bezahlen und die 5-Pf-Schritte gingen auch nicht.

Der Werteindruck erfolgte wie bei einer Schreibmaschine über ein Farbband, das mit harten Stempeln aus Metall auf die Marke gedrückt wurde und dort die Farbe hinterließ. Hiervon gibt es zwei verschiedene Untertypen, die sich am besten am "DBP" unterscheiden lassen. Preisaufschläge verdienen Marken mit sehr frühen Stempeldaten, etwa bis September 1982 als die Schalterdrucker aufgestellt wurden.

Nur ein kurzes Dasein: Die Berliner ATM

Automatenmarken Berlin MiNr. 11987 bekam auch Berlin eine eigene ATM. Sie hatte sogar ein richtiges Motiv: Das Schloss Charlottenburg. Doch die schöne Berliner ATM hatte kein langes Leben: Schon Ende 1990 wurde sie durch die grüne westdeutsche ATM ersetzt, am 31.12.1991 wurde sie schließlich ungültig.

Schloss Sanssouci bereitet der grünen ATM das Aus

Automatenmarke Bund MiNr. 2 1 Automatenmarke Bund MiNr. 2 2

Zurück in die Bundesrepublik. 2 Jahre lang liefen die doch recht hässlichen grünen ATM, bis sie 1993 durch die Sanssouci-ATM MiNr. 2 abgelöst wurden. Schon kurz nach der Einführung dieses neuen Papiers kam es zu einer weiteren Neuerung: Neue Automaten druckten nicht mehr im Typendruck (linke Marke, MiNr. 2 1) sondern im billigeren Nadeldruck wie bei alten Computer-Druckern. Diese Marken kann man sehr einfach von denen im Typendruck unterscheiden (rechte Marke, MiNr. 2 2). Von diesem Typendruck gibt es übrigens zwei unterschiedliche Varianten.

Automatenmarke Bund MiNr. 2 3Doch die nächste Änderung ließ nicht lange auf sich warten. Die Automaten druckten noch immer "DBP", wo doch die Deutsche Bundespost schon einige Jahre lang Deutsche Post AG hieß. Also wurden 1999 die Nadeldruckwerke umprogrammiert, so dass sie fortan ein Posthorn druckten. Für die Sammler also eine weitere Marke für ihre Sammlung (MiNr. 2 3)!

Die dritte im Bunde: Logo-ATM

Automatenmarke Bund MiNr. 3 2 Noch im gleichen Jahr war das Vordruckpapier dran, denn da stand ja auch noch "Deutsche Bundespost" drauf. Also kam ein neues Vordruckpapier zum Einsatz. Poppig bunt und postgelb. MiNr. 3 2.

Automatenmarke Bund MiNr. 3 1Aber was war das? Auf einmal tauchten die neuen Marken mit dem alten "DBP"-Eindruck auf, der doch eigentlich schon überall ausgewechselt war. Des Rätsels Lösung: Die alten Druckwerke waren zwar ausgebaut, später aber als Ersatzteile wieder eingebaut worden. Die Post reagierte kundenfreundlich und verkaufte über die Versandstelle auch diese Marke, die es ja eigentlich nie hätte geben sollen. Also eine weitere ATM für alle mäßig spezialisierten Sammler (MiNr. 3 1). Inzwischen gibt es übrigens eine eine Untertype des Posthorneindrucks ("Sielaff-ATM"). Wie alle anderen Marken in Pf werden auch die Pf-Automatenmarken am 30.06.2002 ungültig.

Der Euro

Automatenmarke Bund in Euro

Als am 01.01.2001 der Euro als Bargeld in Umlauf kam, spuckten die neuen "Sielaff"-Geräte sofort Marken in Euro aus. Das Vordruckpapier blieb aber erstmal unverändert.

Diese neue Variante verdient eigentlich eine extra Katalognummer, die MICHEL auch in Aussicht gestellt hat.

Nummer fünf: Briefkasten

Briefkasten-ATM

Ein neues Vordruckpapier ab April 2002 bereitete der Euro-ATM ein sehr frühes Aus, dass die Marke zur am kürzesten verkauften Dauermarke der Bundesrepublik macht.

Das neue Papier zeigt einen Briefkasten und kriegt sicher eine neue Hauptnummer im MICHEL.

Gibt es die hohen Werte überhaupt?

ATM 9900 Pf PZU

Ja. Links siehst du einen der höchsten Werte überhaupt. 99,00 DM kosteten 9 Zustellungsaufträge. Zustellungsaufträge können nur Behörden und Gerichtsvollzieher verschicken. Es geht dabei um die Zustellung von Mahnbescheiden und bestimmter besonders wichtiger Briefe.

Das Besondere: Das Zustellpostamt bekommt den Umschlag, von dem du links einen Ausschnitt siehst und findet da drin einen oder mehrere Zustellungsaufträge, die wiederum in gesonderten (unfrankierten) Briefmumschlägen stecken. Wenn nun mehrere Zustellaufträge an ein Postamt gehen, dann kann man alle gemeinsam in einen Umschlag stecken. Und dann kommt es zu solch hohen Frankaturen.

Meistens werden diese Zustellungsaufträge mit Freistempelabdrucken frei gemacht, aber hier hat ein Sammler ein klein wenig nachgeholfen und für diese außerordentliche Frankatur gesorgt. Schön, dass er auf unsere Bitte hin ein Bild seines Beleges gemailt hat und uns auf diese Weise an seiner Sammelfreude teilhaben lässt.


Irren ist menschlich, Geldgier leider auch...

Vereinzelt kam es auch zu Fehlverwendungen, also zum Einlegen von alten Markenrollen in neue Druckwerke, z. B. grüne ATM mit Posthörncheneindruck. Bis auf wenige Ausnahmen kann man davon ausgehen, dass hier Sammler die Hände im Spiel hatten. Dies sind -wie Abarten- Besonderheiten, die man auch als Spezialsammler nur dann beachten sollte, wenn es tatsächlich festzustehen scheint, dass die Marken nicht durch Sammler initiiert wurden.

Weitere Spezialisierungsmöglichkeiten

Immer wieder angeboten werden ATM ohne Werteindruck. Es kann schon mal passieren, dass sie von Automaten ausgegeben werden, der größte Teil dieser Blankomarken dürfte aber von Rollenenden (vier Marken verbleiben am Ende der Rolle im Automaten) und gestohlenen Markenrollen aus Posteinbrüchen stammen. Also auch hier bitte vorsichtig sein und diese Stücke nicht über bewerten!

Relativ häufig passiert es, dass der Automat ungenau schneidet und die Transportlöcher am Unter- oder Oberrand keine Halbkreise sondern komplette Kreise sind. Solche Marken sind Zufallsprodukte und eigentlich minderwertig. Trotzdem gibt es viele Sammler, die dafür mehr bezahlen.

Abklatsch des Typendruckes auf der MarkenrückseiteBei den ATM im Typendruck gab es relativ häufig Abklatsche, also Abdrucke des Werteindruckes der vorangegangenen Marke auf der Rückseite.

Es gibt interessantere Spezialisierungsmöglichkeiten: Bei der Sanssouci-ATM kann man beispielsweise sowohl senkrechte als auch waagerechte Nummern finden, die auf jede fünfte Marke rückseitig aufgedruckt werden.

Viele Sammler beachten auch die von Automaten ausgestellten Quittungen.

Es ist üblich, bei ATM mehr Wert auf eine zeitgerechte Abstempelung zu legen als bei anderen Marken. Deshalb sind die Verkaufszeiträume im Katalog genannt. Außerhalb dieser Zeit gestempelte Marken sind deutlich billiger.

Interessant sind seltene Portostufen, die aber nicht aus reiner Spielerei entstanden sind. Wobei die Grenze hier oft sehr schwer zu ziehen ist. Nach dem Abbau der Schalterdrucker sind alle Wertstufen, die man nicht über die Tasten der Automaten bekommen kann, selten geworden. Die anderen sind nur für versierte Postkunden zugänglich, die genau wissen, was ihre Sendung kosten wird und das Geld passend dabei haben. Also überwiegend Sammler. Nichtsdestotrotz ist eine Päckchenfrankatur mit einer 690er bzw. bald 720er ATM-Frankatur schon ein kleiner Leckerbissen für den engagierten Deutschland-Sammler.

Weitere Infos zu Automatenmarken

Thomas Arlitt gibt auf seiner leider nicht mehr ganz aktuellen Homepage noch viel mehr Informationen zu deutschen Automatenmarken.


Dieser Artikel stammmt aus der Zeitschrift "Post für Dich" unserer Gruppe Stadt Berlin.